Ver/ortung/en
Eine Veranstaltung der
Filmreihe Köln zu Gast im Filmclub 813

Wie gehe ich damit um, wenn ich das Gefühl habe, nicht der Norm zu entsprechen? Welchen Einfluss hat der Ort, an dem ich lebe, auf meinen Alltag? Was muss passieren, um das hinter mir zu lassen, was bisher ‚Zuhause‘ hieß? Das diesjährige Programm der Filmreihe Köln widmet sich dem Thema VER/ORTUNG/EN – Identitäten, Lebenswege und Migration im Film. .

Was es bedeutet, erwachsen zu werden, sich alleine und fremd zu fühlen und den Wunsch zu haben, dazuzugehören – danach unter anderem fragen die Filme des ersten Abends. Welche Art zu leben wir wählen und welche Bedeutung ein Ort für den Menschen haben kann, ist Thema des zweiten Termins. Die Filme des dritten Abends thematisieren die Hintergründe und Grenzerfahrungen, die mit Migration und Flucht verbunden sind. Der letzte Abend schließt thematisch an den dritten an und schlägt eine Brücke zu den beiden ersten Abenden, indem auch er Fragen nach der eigenen Identität, dem bisherigen Zuhause und einem ersehnten, neuen und vor allem anderen Leben aufwirft.



Indentitäten
Selbstsuche und Selbstbestimmung

Mo 6. März, 20.00h / Kino 813 in der Brücke

Die Filme widmen sich dem Älterwerden und damit verbundenen Wünschen, Erfahrungen und Ängsten. In den Fokus rückt die Selbstsuche der Protagonist*innen, die unterschiedliche Facetten des Erwachsenwerdens durchleben: Mal ist es das Gefühl anders zu sein, als es das Umfeld erwartet; mal sind es hungrige Teenager, die bis ans Äußerste gehen und Grenzen austesten; mal ist es der Wunsch nach Dazugehörigkeit und die gleichzeitige Scheu, sich einer Gruppe anzuschließen. Immer jedoch werden Entscheidungen und Abgrenzungen thematisiert, die getroffen werden, um sich in einer Welt zurechtzufinden, die aus Zuschreibungen und Konventionen besteht, die der Komplexität der individuellen Gefühls- und Gedankenwelt zuwiderlaufen können.

Ik ben een meisje!, Susan Koenen, 2010, 15 Min.

Seagulls, Martin Smith, 2014, 14 Min.

Anna, Anne Haugsgjerd, 1996, 7 Min.

Saute ma ville, Chantal Akerman, 1968, 13 Min.

Adele 1, Kurdwin Ayub, 2011, 5 Min.

Alienation, Laura Lehmus, 2014, 7 Min.

Christ/el, Andreas Grützner, 2016, 9 Min.

Benidorm, Carolin Schmitz, 2006, 18 Min.

Lebenswege
der Ort als Porträt und Projektion

Mo 13. März, 20.00h / Kino 813 in der Brücke

Bestimmt der Lebensort das Bewusstsein oder das Bewusstsein den Ort? Oder ist es die Gesellschaft, die den größten Einfluss ausübt? Die Filme des Abends zeigen Porträts von Orten, die zugleich Porträts der Menschen sind, die dort leben und der Gesellschaft, die sie umgibt. Wir sehen Praktiken des Umgangs mit der gegebenen Situation und die Suche nach alternativen Räumen und Bildern. Menschen arrangieren sich damit, wo sie leben, machen das Beste daraus, lehnen sich auf oder versuchen sich frei zu boxen. Sie vergraben sich, holen die Welt in ihr Haus und schaffen damit eine ganz eigene Welt, verschwinden im virtuellen Nichts oder versetzen sich fotografisch an andere Orte.

I ovo je beograd, Corina Schwingruber Ilić, 2009, 10 Min.

Radfahrer, Marc Thümmler, 2008, 27 Min.

Boxing, Ion Grigorescu, 1977, 2 Min., © the artist, courtesy Galerija Gregor Podnar

Waldgrenze, Lina Paulsen, 2014, 20 Min.

Sonntag, Büscherhöfchen 2, Miriam Gossing, Lina Sieckmann, 2014, 13 Min.

You, the world and I, Jon Rafman, 2010, 6 Min.

La lampe au beurre de yak, Hu Wei, 2013, 15 Min.

Migration
Passagen und Perspektiven

Mo 20. März, 20.00h / Kino 813 in der Brücke

Seit 1959 wird der indisch-pakistanische Grenzübergang Wagah von einer streng choreographierten Militärparade geöffnet und geschlossen. Allabendlich pilgern Tausende an die Grenze, um dem Spektakel beizuwohnen. Die Filme des Abends gehen auf unterschiedliche Weise dem Konzept und der Infragestellung abgeschlossener Staaten nach. Menschen machen sich aus verschiedenen Motiven auf den Weg, sei es in Form von Urlaubsreisen, als Gastarbeiter*innen oder als Flüchtende. Eine Kuh, die die Grenze zweier feindlich gesinnter Nachbarstaaten überquert, um eine Blume zu verspeisen, führt die absurde Angst vor Eindringlingen vor Augen. Dass Zusammenarbeit Berge versetzen kann, zeigt der letzte Film.

Wagah, Supriyo Sen, 2009, 13 Min.

Passagen, Lisl Ponger, 1996, 12 Min.

Specijalni vlakovi (Sonderzüge), Krsto Papić, 1972, 15 Min., aus dem Archiv der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen

Krava na granici (die Kuh an der Grenze), Dragutin Vunak, 1963, 10 Min., aus dem Archiv der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen

Am Rande, Maya Connors, Pablo Narezo, Yasmin Angel, 2013, 17 Min.

Sharaf, David Aronowitsch, Hanna Heilborn, 2012, 13 Min., aus dem Archiv der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen

When faith moves mountains, Francis Alÿs, 2002, 15 Min., courtesy David Zwirner, New York/London

Sehnsuchtsort
Anhaltender Übergang

Mo 27. März, 20.00h / Kino 813 in der Brücke

‚Die, die Springen‘ leben auf dem Berg Gurugu an der marokkanischen Grenze und beobachten von dort die spanische Enklave Melilla. Ihr Ziel ist es, über den Hochsicherheitszaun zu klettern, der sie von ihrem Sehnsuchtsort Europa trennt. Immer wieder sprechen sie in dem regelmäßig von der Polizei zerstörten Camp über ihre Träume, Ängste und Zukunft. Abou Bakar Sidibé, der seit 14 Monaten in dem Lager lebt, hat die Kamera von den beiden Filmemachern Moritz Siebert und Estephan Wagner erhalten. Durch seine Augen erleben wir eine hierarchische Gemeinschaft. Nach und nach findet er Gefallen daran, Bilder zu erzeugen und sich mit der Kamera auszudrücken. Er spürt, dass er existiert, weil er filmt. Und er lässt uns zu Augenzeugen des Lebens auf dem Berg werden – kurz vor dem Sprung.

Les sauteurs - those who jump, Moritz Siebert, Estephan Wagner, Abou Bakar Sidibé, 2016, 79 Min.

Filmclub 813 e.V.
Kino 813 in der BRÜCKE
Hahnenstraße 6
50667 Köln

Eintritt: 7,00 Euro / Ermäßigt: 6,00 Euro
Freunde des Filmclub 813: 5,00 Euro / Eintritt frei für Geflüchtete


Beginn jeweils pünktlich um 20.00h.