Stadt[t]raum
Eine Veranstaltung der Filmreihe Köln

Stadt und Film sind gleichermaßen Räume des Gestalteten. Räume und Architekturen des Städtischen als auch Peripheren durchziehen das Urbane als kontinuierlich transformierendes szenografisches Gefüge. Dieses erfährt seine Prägung durch divergierende soziale Gruppierungen, ökonomische und symbolische Infrastrukturen, habitualisierte und politische Prozesse sowie künstlerische Interventionen.

Gegenüber dem urbanen Lebensraum, den wir im Alltäglichen bewohnen, werden dem kinematografischen Raum des Urbanen erweiterte Möglichkeiten der Inszenierung zuteil. Im Film tritt uns die Stadt als Bild, Modell, Vision, Traum und Dystopie gegenüber. Die kinematografische Stadt entwirft medialisierte Reflexionsräume, die uns für Machtstrukturen, soziale Prozesse und Interventionsmöglichkeiten sensibiliseren: Formt uns die Stadt oder formen wir die Stadt? Dieser Frage geht die Reihe an vier Abenden in ausgewählten dokumentarischen, fiktionalen und animierten Kurzfilmen nach.

Die diesjährige Filmreihe endet mit einem Filmabend im King Georg, gezeigt wird der Dokumentarfilm „Anna Pavlova lebt in Berlin“. Anschließenden gibt es eine Diskussion und Musik.

Made in Cologne

Mo 4. Juni, 19.30h / Filmclub 813

Wir beginnen vor der Haustür. Im Blickpunkt stehen filmische Perspektiven aus und über Köln, welche die vielfältigen Gesichter unserer Stadt zeigen. Köln erweist sich als Großstadt, die in ihren politischen, sozialen und künstlerischen Prozessen von den Filmschaffenden mitgestaltet wurde. In Köln fand 1896 das erste Remake der Filmgeschichte statt, in den 1960ern Jahren pulsierte in Köln die Kunst- und Experimentalfilmszene Deutschlands, während Probleme beim Kölner U-Bahn Bau für Aufruhr sorgten. Mit der „Kölner Wochenschau“ etablierte sich zwischen 1976 und 1981 ein Gegenfernsehen, aktuelle dokumentarische Arbeiten des filmischen Nachwuchses sowie der „Kölner Gruppe“ zeigen Köln aus überraschend neuen Blickwinkeln.

Panorama pris d’un bateau, Brüder Lumière, 1896, 1 Min.

L’arrivée de l’express, Brüder Lumière, 1896, 1 Min.

Wohnkultur, wie sie war, wie sie ist und wie sie sein soll!, Fritz Stübig, 1928, 15 Min.

Verlagerung des Doms beim U-Bahn Bau, Werner S. Powitsch, 1967, 5 Min.

Happening Wolf Vostell, Paul Karalus, 1969, 4 Min.

Stadtzerstörung in Nippes - Gegen die Stadtautobahn, Kölner Wochenschau, 1977, 18 Min.

Sprech ens aanständich, Bettina Braun, 1997, 22 Min.

Haltestelle Hansaring, Tama Tobias-Macht, 2008, 6 Min.

Wohnhaft, Bernhard Marsch, 2001/2004, 9 Min.

Gäste: Bettina Braun, Tama Tobias-Macht und Bernhard Marsch

Konfliktzone öffentlicher Raum

Mo 11. Juni, 19.30h / Filmclub 813

Plätze, Brücken, Hauswände, Stadträume – öffentliche Orte sind vielfältig vor allem aber ubiquitär. Als Kulisse des Alltags treten sie, wenn auch nie vollständig, eher in den Hintergrund. Die hier ausgewählten Filmreihe Köln zum Einen, wie sie wieder Hauptakteur als Spielort, politisches Medium und verbindendes Element werden. Aber auch, dass Intervention nicht ausschließlich politischer Aktionismus sein muss, um Privates zu politisieren, wie zum Beispiel, durch die Erweiterung gewohnter Strukturen durch performative Akte ebenjene absolut in Frage gestellt werden. Unterschiedlich motiviert und begründet finden Interventionen zwischen privat und politisch ihren Ausdruck, ästhetisierend, leise und zaghaft, feministisch, historisch oder laut und unumgehbar.

Tahrir im April, Juliane Henrich, 2011, 35 Min.

NO+, Lotty Rosenfeld, 1983–1989, 6 Min.

Naming the Bridge: Rosa Plaveva and Nakie Bajram, Hristina Ivanovska, 2006, 12 Min.

I don't belong here, Elisabeth Wurst, 2010, 3 Min.

Dammi i Colori, Anri Sala, 2003, 16 Min.

Die Neonorangene Kuh, Matthias Wermke/Mischa Leinkauf, 2005, 6 Min.

Wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen

Mo 18. Juni, 19.30h / Filmclub 813

Die Filme erkunden Herausforderungen, denen der Einzelne sich im menschlichen Zusammenleben innerhalb der Stadt gegenüber gestellt sieht: Einsamkeit und Nähe, Freiheit und soziale Enge – bis hin zum Ausbruch aus der als beengend empfundenen Zivilisation. Betrachtet werden der städtische Mikrokosmos aus unterschiedlichen Blickwinkeln, eine zarte, fabelhafte Freundschaft zwischen Fuchs und Hase in guter Nachbarschaft sowie die Kleinkariertheit und Absurdität hierarchischer Mietverhältnisse. Naturräume innerhalb der Stadt schaffen Möglichkeiten der Erholung und Kommunikation. In der “wilden” Natur werden Gegenmodelle zum städtischen Leben entworfen. Es werden parodistische, poetische, utopische und verzweife

Nowa Książka, Zbigniew Rybczyński, 1975, 11 Min.

Tord och Tord, Niki Lindroth von Bahr, 2010, 11 Min.

Schönen, guten Tag, Corinna Schnitt, 1995, 5 Min.

This Is Alaska, Mårten Nilsson/Gunilla Heilborn, 2009, 11 Min.

Delivery, Till Nowak, 2005, 9 Min.

This Is My Land, Ben Rivers, 2006, 14 Min.

successive inconceivable events, Richard T. Walker, 2005, 6 Min.

UTOPIE/DYSTOPIE
Visionen zwischen Gestern und Morgen

Mo 25. Juni, 19.30h / Filmclub 813

Dieser Abend widmet sich der Faszination für das Phänomen Stadt als architektonisch konstruiertem Platz: Larry Jordan filmt fast ausschließlich über spiegelnde Oberflächen San Francisco. Ein Spektakel präziser Zerstörung wird im Film demo_lition gezeigt, wohingegen Bühne:Wolfsburg der Produktion von urbanem Raum folgt. Im Zeitraffer wächst und fällt das Star Theatre. Das Architekturbüro MVRDV stellt eine Vision für den Ballungsraum Paris für das Jahr 2030 vor. Maja Borg folgt einer Aussteigerin und einem Utopisten. Marcel Neudeck begleitet eine Baukolonne, die DDR-Plattenbauten demontiert. In Logorama kommt es in einem stilisierten LA zur Katastrophe.

Visions of a City, Larry Jordan, 1978, 6 Min.

demo_lition, Dorothea Carl/Claudia Reiche, 2011, 13 Min.

Bühne:Wolfsburg, Arne Bunk, 2009, 15 Min.

Building up and Demolishing the Star Theatre, F. S. Armitage, 1901, 3 Min.

Pari(s) plus petit, MVRDV, 2007, 7 Min.

Ottica Zero, Maja Borg, 2007, 13 Min.

Wir haben eine ganze Stadt umgebaut, Marcel Neudeck, 2004, 10 Min.

Logorama, F. Alaux, H. de Crécy und L. Houplai, 2009, 16 Min.

Anna Pavlova lebt in Berlin

Mo 4. Juli, 19.30h / King Georg

Theo Solniks Film über Anna Pavlova entwirft in einem Wechselspiel aus Nacht und Tag, Freude und Enttäuschung, Bewegung und Stille die dichte Erzählung eines pulsierenden Partylebens, das sich selbst zu überholen scheint. Der Regisseur begleitete die junge Frau vier Monate lang mit der Kamera und dokumentiert aus Annas Sicht ihre Erlebnisse und Bewegungen in schwarzweißen Bildern: Anna geht nicht einfach durch die Straßen von Berlin – sie schwimmt, surft, lässt sich treiben. Dieser Abend findet im King Georg in der Sudermanstraße 2 (Nähe Ebertplatz) statt.

Anna Pavlova lebt in Berlin, Theo Solnik, 2011, 75 Min.