Wir stellen ein
Eine Veranstaltung der Filmreihe Köln

Was ist Arbeit? Was passiert, wenn Arbeit fehlt? Welche Arbeit wird wertgeschätzt? Wie viel Arbeit ist lebensnotwendig und ab welchem Zeitpunkt dominiert sie das Leben? Wann ist Arbeit Zwang und wann wird sie zur Sucht? Welche Art von Arbeit macht uns Spaß? Kann Arbeit uns glücklich machen?

Ob man sie hat oder nicht: Arbeit ist in fast jeder Gesellschaft identitätsstiftend und strukturierend. Für viele ist sie Lebensmittelpunkt und konstitutiver Bestandteil der Biografie. Sie findet sowohl an Maschinen statt als auch in Netzwerken, sie ist sowohl lautstark und schmutzig als auch leise und steril, sie beansprucht sowohl körperliche Muskelkraft als auch kognitive Anstrengung: es fließen Schweiß und Daten, es wird geschleppt und geklickt, es wird kreiert und gebaut, geplant und verworfen.

Auf welche Art und Weise ist Arbeit in der Gesellschaft sichtbar und kann im Film sichtbar gemacht werden? Auf diese Fragen geben die dokumentarischen, experimentellen, wissenschaftlichen und fiktionalen Kurzfilme Antworten und lassen erkennen: auch Filmemachen ist Arbeit.

Zurück an die Maschinen!
Arbeit vor und hinter der Kamera

Mo 4. November, 19h / Filmhauskino Köln

Die Fabrik ist der erste Schauplatz der Filmgeschichte. In La Sortie Des Usines Lumière à Lyon sehen wir, wie Arbeiter_innen die Fabrik verlassen. Bereits diese ersten Einstellungen lassen erkennen: hier wird inszeniert. Wenig später gestaltete, strukturierte und ästhetisierte auch der Industriefilm das Geschehen in den Fabriken: Der Ergonom Frank B. Gilbreth fertigte ökonomisch motivierte Bewegungsstudien an, um die Bewegungsabläufe der Fabrikarbeiter_innen zu optimieren. Den Einfluss des Films für die Wertsteigerung von Produkt und Marke – später Image – hat sich insbesondere die Automobilindustrie zu Nutze gemacht. Allein das Konzernarchiv der Daimler AG umfasst rund 5.000 Image- und Produktfilme, die darüber Aufschluss geben, wie das Unternehmen sich selbst und seine Arbeiter_innen gerne sah. Raum für ästhetische Experimente gab es damals nicht – Len Lyes Werbespot Rhythm wurde abgelehnt. Im faszinierenden Spiel aus Licht und Schatten, schrillen und leisen Tönen, verstörenden und magischen Bildern führt uns Sergei Loznitsa in seinem Dokumentarfilm Fabrika schließlich an einen im 21. Jahrhundert fast vergessenen Ort. Wir stellen überrascht fest: die Fabriken sind noch lange nicht verlassen.

La Sortie Des Usines Lumière à Lyon, Brüder Lumière, 1895, 1 Min.

Produktion im Werk Untertürkheim 1925, Daimler AG, 1925, 12 Min. (Ausschnitt)1

LKW Produktion vom Typ L 3500 in Mannheim, Daimler AG, 1950, 17 Min. (Ausschnitt)1

Rhythm, Len Lye, 1957, 1 Min.

Brothers Mason Jar Study, Frank B. Gilbreth, 1918, 40 Min. (Ausschnitt)2

The Quest for the One Best Way. The Original Films of Frank B. Gilbreth,

Lillian M. Gilbreth/James S. Perkins/Ralph M. Barnes, 1968, SPCOLL, 24 Min.2

Fabrika, Sergej Loznitsa, 2004, 30 Min.

Gesamtspielzeit: 72 Min.

Gast: Dr. Florian Hoof, Medien- und Filmwissenschaftler

Folgende Archive haben uns freundlicherweise Filme zur Verfügung gestellt:

1Daimler AG/Mercedes-Benz Classic, 2Purdue University Libraries/Archives and Special Collections

Höher – Schneller – Weiter:
Qualität und Quantität am Arbeitsplatz

Mo 11. November, 19h / Filmhauskino Köln

Die Filme erkunden Herausforderungen, denen wir uns am Arbeitsplatz gegenübergestellt sehen. Muss sich Arbeit lohnen, anhand welcher Werte lässt sie sich messen und was gilt überhaupt als Arbeit? Wie verändern sich die Arbeitsabläufe, wenn sich der Ort, an dem gearbeitet wird, wandelt? Die Filme fragen sowohl nach den Ursprüngen und Folgen der Effizienzsteigerung, als auch nach individuellen Strategien, um den paradigmatischen Veränderungen im Bereich von Arbeit zu begegnen. Doch was passiert, wenn Menschen sich nicht in diese neuen Strukturen einfügen (können) und am Ende vielleicht sogar daraus verschwinden…?

Anophtalmus, Katharina Pethke, 2005, 7 Min.

Lehrfilm zur Rekonstruktion von Stasiakten, Anke Limprecht, 2000, 12 Min.

Arbeit am Ende, Carmen Losmann, 2005, 6 Min.

One Year Performance (Time Clock Piece), Tehching Hsieh, 1980–81, 6 Min.

sitzend überleben, Carolin Schmitz, 2001, 20 Min.

Die Frankfurter Küche, Paul Wolff, 1926, 7 Min.

Ein neues Produkt, Harun Farocki, 2012, 37 Min.

Copy Shop, Virgil Widrich, 2001, 10 Min.

Nowhere Man, J. Stjärne Nilsson, 1996, 8 Min.

Gesamtspielzeit: 113 Min.

Mit freundlicher Unterstützung des Medienzentrum Frankfurt e.V.

Und was willst Du mal werden?
Arbeit zwischen Utopie und Alltag

Mo 18. November, 19h / Filmhauskino Köln

Die verschiedenen Kurzfilme zeigen zum einen Menschen, die jenseits von Gewinnmaximierung individuelle Lebensentwürfe realisiert haben. Personen, bei denen sich Arbeit und Privatleben überschneiden: die sich ehrenamtlich engagieren, die versuchen von ihrer Kunst zu leben, die alternative Strukturen schaffen, in denen sie sich verwirklichen und ihre Ziele umsetzen. Zum anderen kommen junge Berufstätige – chinesische Wanderarbeiter und Azubis bei Opel – zu Wort, die von ihren Zukunftsvorstellungen berichten, die von der Angst arbeitslos zu werden bis hin zu dem Wunsch einfach Spaß zu haben reichen. Die absurd anmutenden Szenarien zweier künstlerischer Kurzfilme fügen dem Thema eine weitere Facette hinzu.

Zwischen 4 und 6, Corinna Schnitt, 1998, 6 Min.

Ruhestand, Silke C. Engler, 2012, 11 Min.

Der Maismann, Michael Binz, 2013, 7 Min.

Tropical Breeze, Mika Rottenberg, 2004, 4 Min.

Andy Warhol, Marie Menken, 1965, 18 Min.

Dreamwork China, Tommaso Facchin/Ivan Franceschini, 2010/11, 15 Min.

Opel. Eine Suche nach Zukunft, Ulrike Franke/Michael Loeken, 2011, 30 Min.

Gesamtspielzeit: 90 Min.

Gäste: Ulrike Franke und Michael Loeken mit ihren Protagonisten